Urban Exploring – Die Faszination an Lost Places und morbiden Charme

Gestaltet man seine Freizeit, dann denkt man zurzeit eher an heimische Aktivitäten. Von Kochen, Backen, Dekorieren und Einrichten bis hin zum Entdecken neuer Leidenschaften ist vieles möglich. Doch es gibt immer noch Hobbies, denen man im Freien nachgehen kann und vielleicht ist ja genau das Deine neue Lieblingsbeschäftigung: UrbEx. Doch was ist UrbEx genau?

Eigentlich handelt es sich dabei nur um die Verkürzung zwei Begriffe: Urban Exploration. Sicherlich hast Du schon vorher von Begriffen wie „Lost Places“ oder „Stadterkundung“ gehört. Dabei suchen sich die Menschen aktiv Orte heraus, die seit langem verlassen sind. Teilweise sind diese Orte vergessen, verfallen oder es ist gar verboten das Gelände zu betreten.

Gerade hier schlummert die Romantik: vergessene Bunker und Militäranlagen, zerfallene Industriegebäude und verlassene Häuser. Zeugen von menschlicher Geschichte, welche nun menschenleer vorzufinden ist. Schauderhaft und der perfekte Platz für Horrorgeschichten, doch gerade umso spannender.

Video: Was ist Urbex, Urban Exploring/Exploration? Codex, Gefahren, Ortsangaben…

Was ist UrbEx?

Stellt man sich nun die Frage, was UrbEx bzw. Urban Exploration ist, dann kann man mit wenigen Englischkenntnissen die Bedeutung ableiten. Dabei handelt es sich um das Erkunden genau jener verlassenen und vergessene Orte. Doch es handelt sich nicht um einen einfachen Spaziergang durch die Ruinen. Urban Explorer, wie sich aktive Betreiber des etablierten Trends bezeichnen, dokumentieren ihre Entdeckungen richtig.

Somit kommt es nicht selten vor, dass man eine ausgeprägte Dokumentation in Form von Bilder oder sogar in Videoform finden kann. Man könnte meinen, dass es sich bei UrbEx um eine sportliche Variante bizarrer Fotografie handelt. Die Ruinen-Fotografie hat sich als festes Genre eingebürgert und die Hindernisse in den Ruinen benötigen doch etwas sportliche Fitness.

Urbex - Verlassen Hallen einer ehemaligen Maschinenfabrik
Urbex – Verlassen Hallen einer ehemaligen Maschinenfabrik

Ist das Betreten von Lost Places verboten?

Eine Frage, auf die man mit Ja und Nein antworten kann. Es kommt immer auf den Sachverhalt des verlassenen Ortes an. Selbst wenn der Ort verlassen und vergessen scheint, so gehört das Gebäude bzw. das Grundstück meist noch einer Person. Aufgrund des Besitzanspruchs handelt es sich beim Betreten um den Fall von Hausfriedensbruch.

Doch bisher kam noch nie ein Urbexer in ernstzunehmende Schwierigkeiten. In den meisten Fällen ist man an dem Ort alleine und so betritt man das Gebiet getreu nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Beobachten Einwohner oder Spazierende einen doch und informieren die Polizei, dann ist es sehr wichtig den Codex der Urban Exploration zu erklären. Wie dieser genau lautet, erklären wir gleich.

In den schlimmsten Fällen gibt es dann einen Platzverweis. Hier muss man sich auch nicht persönlich angegriffen fühlen, oftmals liegt die Sorge nur in der Zerstörung des Ortes. Es gibt nämlich immer wieder halbstarke Kandidaten, die hier ihrem Frust freien Lauf lassen wollen und somit das Eigentum anderer Menschen mutwillig zerstören.

Nebst dem Besitzanspruch, ist aber auch die Sicherheit an dem Ort zu beachten. Einige Lost Places drücken klar und deutlich aus, dass das Betreten aufgrund von Gefahr nicht erlaubt ist. Morsches Holz, eingestürzte Treppen und viele weitere Feinheiten in der Statik, können die Erkundung zu einem gefährlichen Abenteuer machen.

Nehmt mögliche Warnschilder und Warnhinweise also ernst und stempelt diese nicht nur als Fernhalter ab. Es geht hier auch um Deine Gesundheit.

Legal betretbare Lost Places in Deutschland

Solltest Du Dir nicht sicher sein, ob Du eine Ruine betrete darfst, dann haben wir eine kleine Liste mit verlorenen Orten, die man ohne Bedenken betreten kann. Oftmals handelt es sich hier um geführte Touren oder ein offizielles Event, sodass man zuvor Tickets kaufen muss und eine Anmeldung ausfüllt.

Danach kannst Du Dich dann für mehrere Stunden auf dem Gelände aufhalten, es erkunden und nach Herzenslust fotografieren was das Zeug hält. Bedenkt beim Fotografieren aber bitte, dass nicht jeder Eigentümer die Veröffentlichung der Bilder erlaubt. Um keine strafrechtlichen Risiken einzugehen könntest Du es vor Betreten der Anlage mit dem Inhaber abklären.

Einige Leute sind dabei sehr streng, während sich andere Inhaber über die Gratiswerbung freuen.

10 bekannte Spots für Urbex Deutschland:

  1. Berlin-Plänterwald: ehemaliger DDR-Freizeitpark „Spreepark“
  2. Berlin-Köpenick: preußisches Gefängnis des Amtsgerichts aus 1899
  3. Beelitz-Heilstätten bei Berlin
  4. Heilstätte Grabowsee bei Berlin
  5. Das Haus der Offiziere in Zossen bei Berlin
  6. Stadtbad Leipzig
  7. Eine alte Porzellanfabrik in Arzberg
  8. Das Grand Hotel „Waldlust“ in Freudenstadt
  9. Stadtbad Krefeld
  10. Autofriedhof Neandertal bei Düsseldorf

Der UrbEx-Codex: Was muss man bei Lost Places beachten?

Solltest Du Dich bei einer geführten Tour einklinken, dann gibt es vor dem Antritt immer verschiedene Hinweise zum Verhalten an den verlassenen Orten. Solltest Du hingegen alleine losziehen und nach zerfallenen Gebäuden Ausschau halten, dann gibt es insgesamt fünf Grundregeln, an die jeder Mensch sich halten kann und auch sollte.

Das oberste Gut ist hierbei der Respekt gegenüber dem gefundenen Ort. Wie bereits zuvor erwähnt, handelt es sich bei den Ruinen oftmals um das Eigentum einer anderen Person und nicht um das Eigentum der Allgemeinheit. Aus diesem Grund sollte man die stillgelegten Ruinen auch mit nötiger Ehrfurcht und Respekt behandeln.

Urbex - Private Gemächer wie Schlafzimmer sind nicht selten.
Urbex – Private Gemächer wie Schlafzimmer sind nicht selten.

Regel Nr. 1: Verschlossen bleibt verschlossen!

Man kann es wohl allgemein verstehen, wenn die Neugier sehr groß ist, doch ist eine Tür verschlossen, dann bleibt diese auch verschlossen. Als Urbexer verschafft man sich nicht gewaltsam den Zugang. Türen werden nicht einfach eingetreten und Fenster auch nicht einfach eingeschlagen. Haltet lieber Ausschau nach einem Schlupfloch im Gemäuer.

Wenn es keines gibt, dann werden Bilder eben nur von außen gemacht.

Sollte ihr im Gebäude selbst auf verschlossene Truhen, Schranktüren oder ähnliches Treffen, dann bleiben diese ebenso verschlossen. Kein gewaltsames Handeln!

Regel Nr. 2: Es bleibt alles an Ort und Stelle!

Auch wenn man es gewohnt ist im Urlaub Souvenirs mitzunehmen, so sollte man „Andenken“ aus einer abgelegenen Ruine lieber nicht einpacken. Aus der Anlage wird nichts entwendet. Diese Regel bezieht sich übrigens auch auf das Umdekorieren. Das perfekte Bild kommt erst zustande, wenn Du den Stuhl drei Meter nach links verschiebst und die staubige Decke darunter drapierst? Falsch.

Bei der Erkundung geht es um das Dokumentieren des Ortes und nicht um das Aufhübschen der Bilder. Lasse also alles so Vorort, wie Du es gefunden hast.

Regel Nr. 3: Kein Vandalismus!

Leider sieht man viel zu häufig, dass die Wände an Ruinen mit Graffiti beschmiert und die Fenster längst Du Scherben zerschmettert wurden. Vandalismus hat beim Urban Exploring nichts verloren und so zerstören wir nichts mutwillig und besprühen auch keine Flächen mit unserer Kunst. Das gilt übrigens auch für Müll: Den nehmen wir schön wieder mit und entsorgen diesen ordnungsgemäß.

Regel Nr. 4: Vergessenes bleibt geheim!

So traurig diese Regel vielleicht sein mag, so sollte man einen entdeckten Ort geheim halten. Die Idee einen verlassenen Ort wieder aufleben zu lassen mag vielleicht spannend klingen, allerdings hatten diese Maßnahmen bisher immer nur eine Konsequenz: Diebstahl und Brandstiftung. Das geschichtliche Gut des verlorenen Ortes geht somit komplett verloren.

Die einzige Ausnahme für diese Regel stellen sehr bekannte Orte dar, wie beispielsweise unsere kleine Auflistung der 10 bekanntesten Lost Places.

Regel Nr. 5: Sei aufmerksam!

Das Erkunden von unberührten Orten zieht einige Menschen schnell in seinen Bann und sorgt schnell für blinde Neugier. Doch nicht selten ist die Erforschung der verlassenen Orte gefährlich, sodass man sehr bewusst mit seinen Handlungen und Bewegungen umgehen sollte. Sicherheit und die eigenen Gesundheit stehen an erster Stelle und sollten nicht vergessen werden.

Kommt es nämlich zur schwerwiegenden Komplikationen fällt es Rettungskräften nur sehr schwer Dich aufzuspüren.

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